⚡ Machen erneuerbare Energien den Strom unbezahlbar?

Ein faktenbasierter Blick auf Mythen, Realität und aktuelle Daten zur Energiewende in Deutschland

Solar- und Windpark im Sonnenuntergang mit leuchtender Börsenkurve – Symbolbild für den Einfluss erneuerbarer Energien auf den Strompreis.

Illustration: tiny-tool.de – KI-generiert

🗓️ Letzte Aktualisierung: November 2025 | ⏱️ Lesezeit: ca. 8 Minuten
Wenn die Stromrechnung steigt, wird oft ein Sündenbock gesucht: Die Energiewende und ihre erneuerbaren Energien. Doch entspricht diese Behauptung den Fakten? Dieser Artikel analysiert aktuelle Studien, Börsendaten und wissenschaftliche Erkenntnisse, um Mythen von der Realität zu trennen.
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1️⃣ Der Mythos und die Faktenlage

💬 Mythos

„Erneuerbare Energien treiben die Strompreise in unbezahlbare Höhen!“

✅ Fakt

Diese Behauptung ist wissenschaftlich widerlegt. Wind- und Solaranlagen produzieren Strom zu sehr niedrigen Grenzkosten und verdrängen teurere fossile Kraftwerke an der Strombörse. Dies führt zu einem preisdämpfenden Effekt: Je mehr erneuerbare Energie ins Netz fließt, desto niedriger fallen die Großhandelspreise aus – manchmal sogar bis in den negativen Bereich.

📊 Live-Daten zur Strompreisentwicklung
Die Strommarktdaten auf SMARD.de zeigen stündlich, wie Wind- und Solarstrom die Börsenpreise beeinflussen – oft deutlich unter dem Niveau fossiler Kraftwerke.
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2️⃣ Merit-Order-Effekt: Wie Erneuerbare Preise senken

⚙️ Preisbildung an der Strombörse

Strom wird nach dem Merit-Order-Prinzip gehandelt: Die kostengünstigsten Kraftwerke speisen zuerst ein. Das letzte noch benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis für alle Marktteilnehmer. Wind- und Solaranlagen haben nahezu keine variablen Betriebskosten und verdrängen daher teure Gas- und Kohlekraftwerke aus dem Markt.

Konkrete Zahlen 2024: Laut einer Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) senkte Windkraft an Land den Börsenstrompreis um durchschnittlich 3,9 ct/kWh. Ohne diese Windenergie wäre der Preis bei 11,8 statt 7,9 ct/kWh gelegen – ein Anstieg um 50 Prozent.

📉 Negative Strompreise als Erfolgsindikator

Im Jahr 2024 kam es an 457 Stunden zu negativen Großhandelspreisen – mehr als je zuvor. Dies geschieht, wenn das Angebot aus erneuerbaren Energien die Nachfrage übersteigt. An solchen Tagen im Sommer 2024 fiel der Strompreis zeitweise auf bis zu -9,9 ct/kWh ≈ -99 €/MWh. Diese Entwicklung zeigt: Je mehr Ökostrom verfügbar ist, desto günstiger wird Energie an der Börse.

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3️⃣ Stromgestehungskosten im Vergleich

💡 Die günstigsten Stromquellen

Die Stromgestehungskosten – also die Gesamtkosten für Bau und Betrieb einer Anlage über ihre Lebensdauer – zeigen eindeutig: Erneuerbare Energien sind die wirtschaftlichste Option.

Stromgestehungskosten 2024 (Fraunhofer ISE)
Technologie Kosten (ct/kWh)
☀️ Photovoltaik Freiflächenanlagen 4,1 – 5,0
🌬️ Windkraft Onshore 4,1 – 9,2
🔥 Gas-Kraftwerke 10,9 – 18,1
🏭 Braunkohle 15,1 – 25,7
⚫ Steinkohle 17,3 – 29,3

Quelle: Fraunhofer ISE Studie 2024

📈 Erfolgreicher Ausbau erneuerbarer Energien

Jahr Anteil an Nettostromerzeugung (%) Bemerkung
2000 6,3 Beginn der Energiewende
2013 25,0 Erstes Viertel erreicht
2023 56,0 Erstmals über 50%
2024 62,8 Fraunhofer ISE (öffentliche Nettostromerzeugung)

Wichtig: Die Prozentzahlen unterscheiden sich je nach Berechnungsgrundlage. Fraunhofer ISE bezieht sich auf die öffentliche Nettostromerzeugung (62,8%), während andere Quellen die Netzlast als Basis verwenden (ca. 62,7%). Beide Zahlen zeigen jedoch den gleichen positiven Trend.

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4️⃣ Aktuelle Marktdaten 2024/2025

💶 Sinkende Börsenstrompreise

Die Entwicklung der Großhandelspreise zeigt einen klaren Abwärtstrend:

  • 2024 Jahresdurchschnitt: 7,85 ct/kWh (≈ 78,5 €/MWh) – Rückgang um 17,5% gegenüber 2023
  • 2023: 9,51 ct/kWh (≈ 95,1 €/MWh)
  • 2022 (Energiekrise): 23,6 ct/kWh (≈ 236 €/MWh)

Der Börsenstrompreis 2024 lag damit sogar unter dem Niveau von 2021 (9,66 ct/kWh ≈ 96,6 €/MWh), als noch sechs Atomkraftwerke in Betrieb waren. Dies widerlegt die Behauptung, der Atomausstieg habe die Preise in die Höhe getrieben.

🌬️☀️ Wind und Sonne dominieren den Strommix

Im Jahr 2024 war Windkraft an Land mit 25,9% Anteil an der Stromerzeugung die wichtigste einzelne Energiequelle in Deutschland. Photovoltaik legte kräftig zu und erreichte 63,3 TWh – ein Plus von 13,6% gegenüber 2023 (55,7 TWh).

Gleichzeitig gingen fossile Energieträger deutlich zurück:

  • Braunkohle: −8,8% auf 71,0 TWh
  • Steinkohle: −31,2% auf 27,3 TWh

🏠 Endkundenpreise November 2025

Während die Börsenstrompreise sinken, zahlen Verbraucher weiterhin unterschiedliche Preise:

  • Neukunden: durchschnittlich 23,8 ct/kWh (Rückgang um 9,8% gegenüber November 2024)
  • Bestandskunden: durchschnittlich 34,4 ct/kWh (Rückgang um 1,9% gegenüber Vorjahr)
  • BDEW Durchschnitt 2025: 39,6 ct/kWh

Die große Differenz zwischen Neu- und Bestandskunden zeigt: Ein Tarifwechsel kann mehrere hundert Euro pro Jahr sparen.

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5️⃣ Warum bleiben Endkundenpreise hoch?

💰 Zusammensetzung des Strompreises

Der Strompreis für Haushalte setzt sich aus drei Hauptkomponenten zusammen:

Bestandteil Anteil 2024/2025 Erläuterung
Beschaffung & Vertrieb ~40% Einkauf an der Börse, Gewinnmarge der Versorger
Netzentgelte ~28% Kosten für Stromnetze und Infrastruktur
Steuern & Abgaben ~32% Stromsteuer, Mehrwertsteuer, Konzessionsabgaben

Kernproblem: Auch wenn die Börsenstrompreise sinken, bleiben Netzentgelte und Steuern konstant oder steigen sogar. Dies erklärt, warum sinkende Großhandelspreise nicht vollständig bei Verbrauchern ankommen.

🛰️ Netzentgelte: Regional unterschiedlich

Die Netzentgelte stiegen 2024 um durchschnittlich 11% auf einen Höchststand. Seit 2025 sorgt eine Neuverteilung durch die Bundesnetzagentur für mehr Gerechtigkeit: Regionen mit starkem Ausbau erneuerbarer Energien (z. B. Norddeutschland, Bayern) werden entlastet, da die Kosten nun bundesweit fairer verteilt werden.

Für 2025 wurden die Netzentgelte im Durchschnitt um 2,5% gesenkt – ein erster Schritt zur Kostenreduzierung.

🧾 Tarifwechsel-Checkliste (neutral)

  • Jahresverbrauch prüfen (kWh) und Grundpreis vs. Arbeitspreis vergleichen
  • Preisgarantie & Vertragslaufzeit beachten (12 statt 24 Monate)
  • Seriöse Anbieterwahl: AGB, Kündigungsfristen, Servicebewertungen
  • Kein Vorkasse-/Kautionstarif wählen; Abschläge realistisch einstellen
  • Bonus-/Neukundenaktionen nur als „nice to have“ sehen, nicht entscheidungsleitend
  • Bei dynamischen Tarifen: Messgerät/Smart Meter & App-Kompetenz einplanen
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6️⃣ Faktenchecks

💸 „Subventionen für Erneuerbare verteuern den Strom“

Faktencheck: Die EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wurde zum 1. Juli 2022 vollständig abgeschafft. Für 2025 wird mit sinkenden Förderkosten gerechnet – auf etwa 18 Milliarden Euro (Rückgang gegenüber 2024). Gleichzeitig vermieden erneuerbare Energien zwischen 2019 und 2024 zusätzliche Importkosten für fossile Brennstoffe in Höhe von 12,5 Milliarden Euro.

🌐 „Netzengpässe durch Erneuerbare treiben die Kosten“

Faktencheck: Netzengpässe entstehen primär durch den verzögerten Ausbau der Übertragungsnetze, nicht durch erneuerbare Energien selbst. Der Ausbau von Speichertechnologien und flexiblen Verbrauchern (wie Elektroautos mit intelligentem Laden) kann diese Herausforderung lösen. Studien belegen: Der langfristige Effekt erneuerbarer Energien ist preisdämpfend.

⚠️ „Negative Preise zeigen, dass Erneuerbare ineffizient sind“

Faktencheck: Negative Strompreise sind ein Zeichen von Überangebot – ein temporäres Problem, das durch Speicher und flexible Nachfrage gelöst werden kann. Sie zeigen vielmehr den Erfolg der Energiewende: So viel sauberer Strom wurde produziert, dass die Preise ins Minus rutschten. Verbraucher mit dynamischen Tarifen profitieren direkt von diesen Phasen.

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7️⃣ Ausblick: Die Zukunft der Strompreise

🔮 Prognosen für 2025 und 2026

Mehrere Institutionen prognostizieren stabile bis leicht sinkende Großhandelspreise:

  • Europäische Zentralbank (Dez. 2024): 2025: 89,9 €/MWh = 8,99 ct/kWh, 2026: 79,5 €/MWh = 7,95 ct/kWh
  • EEX Futures: 73–97 €/MWh = 7,3–9,7 ct/kWh für 2026
  • Trend: Weiterer Ausbau erneuerbarer Energien wird die Preise langfristig stabilisieren

Der höhere CO₂-Preis ab 2025 (55 €/Tonne, ab 2026 variabel zwischen 55–65 €/Tonne) verteuert fossile Stromerzeugung zusätzlich und macht erneuerbare Energien noch wettbewerbsfähiger.

Energiewende als Schlüssel zur Unabhängigkeit
Die Energiewende reduziert Deutschlands Abhängigkeit von volatilen fossilen Brennstoffmärkten. Ab Januar 2025 werden Einspeisevergütungen für neue Wind- und Solaranlagen bei negativen Strompreisen ausgesetzt, was die Marktorientierung fördert und Anreize für Speicherlösungen schafft. Langfristig führt dies zu niedrigeren, stabileren Strompreisen für alle Verbraucher.
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8️⃣ Fazit

Die Behauptung, erneuerbare Energien würden Strom unbezahlbar machen, ist wissenschaftlich widerlegt und entbehrt jeder faktischen Grundlage:

  • Börsenstrompreise: Am niedrigsten, wenn viel Wind- und Sonnenstrom verfügbar ist
  • Stromgestehungskosten: Erneuerbare sind 2–5 mal günstiger als fossile Energieträger
  • Merit-Order-Effekt: Windkraft senkte 2024 den Börsenstrompreis um 3,9 ct/kWh
  • Hohe Endkundenpreise: Verursacht durch Netzentgelte und Steuern, nicht durch Erneuerbare

Fazit: Erneuerbare Energien machen Strom preiswerter, unabhängiger und klimafreundlicher. Der verbreitete Mythos ihrer angeblichen Kostentreiberei hält keiner wissenschaftlichen Analyse stand.

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